In Darjeeling angekommen begruesste uns sehr kuehles und nebliges Wetter. Schnell waren wir uns deshalb einig, dass wir gleich am naechsten Morgen in Richtigung Sikkim fahren wuerden. Sikkim ist ein indischer Bundesstaat im suedlichen Himalaya, umringt von Nepal, Bhutan, Tibet (Free Tibet) und China. Aufgrund dessen geographischer Lage wird Sikkim auch “The Switzerland of the East” genannt, was natuerlich auf seine Richtigkeit ueberprueft werden muss.
Im Jeep der uns nach Gangtok der Hauptstadt von Sikkim brachte, fanden unglaublicherweise 17 Person Platz und die 6 stuendige Fahrt ueber indische Holperstrassen, hinauf auf 1’600 M.u.M. entpuppten sich eher nicht als Genussfahrt.Â
Wir verbrachten insgesamt 4 Tage stationaer in Gangtok, da wir merken mussten, dass die Distanzen in Sikkim zwar eigentlich klein sind, der Strassenzustand und die dadurch moeglichen 20 Km/h aber eine Rundreise nicht sinnvoll erschienen liessen. Glueklicherweise gefiel uns Gangtok sehr gut, vorallem auch weil es wohl die einzige indische Stadt ist, die eine gemuetliche, autofreie Fussgaengerzone in der Innenstadt hatte. Auch war Gangtok im Gegensatz zum Rest Indiens geradezu sauber. (Angedrohte Strafen von 5000 Rupien und/oder 6 Monate Gefaengnis scheinen auch Inder von der Verschmutzung ihres Landes abzuhalten.) Insofern sah man auch klar die Bemuehung, den Tourismus Sikkims voran zu treiben und ein gruenes und sauberes Image zu vermarkten. Eindeutig: auf dem (langen) Weg zum Switzerland of the East.
Da wir in Gangtok stationiert blieben, haben wir uns auf die Erkundung der naeheren Umgebung beschraenkt, insbesondere auf den Besuch verschiedener Viewpoints, die wunderbare Ausblicke auf den Himalaya zulassen.
“Kletterunterricht” fuer den indischen Tour-Guide
Wenigstens an einem Tag wollten wir einen kleinen Trekking-Ausflug unternehmen. Gemeinsam mit einem Fahrer und einem gesetzlich vorgeschriebenen Tour-Guide machten wir uns am letzten Tag auf zum Tsongmo Lake, gut zwei Stunden von Gangtok entfernt und auf 3’800 M.u.M gelegen. Fuer diesen Ausflug war eine Spezialbewilligung notwendig, da sich der Tsongmo Lake nur gerade 18km von der Chinesischen Grenze entfernt liegt und in militaerisch streng bewachtem Gebiet liegt. Gluecklicherweise hat uns die Travel Agency eine Bewilligung eingeholt, obwohl diese eigentlich nur bei Touristen-, nicht aber Studentenvisa ausgegeben wird. (Weshalb wissen wohl nicht mal die Beamten so genau.)
Am Tsongmo Lake angekommen, fuehrte uns der Guide entlang einem Weg um den See; ein Spaziergang der ungefaehr eine Stunde dauern sollte. Schon nach kurzer Zeit wurde uns dies dann doch etwas zu langweilig und wir fragten Ihn ob wir den schneebedeckten, relativ steilen Hang hochklettern koennten. Nachdem der Guide dies zunaechst abgelehnt hatte (uebersetzt: allowed yes, possible no) willigte er dann erstaunlicherweise doch ein und wir kletterten, unseren Strassenschuhen entsprechend, vorsichtig den Hang hoch. Schnell zeigte sich, dass der indische Tour-Guide genauso gut Touristen durch Zurich haette fuehren koennen, aber wohl noch nie zuvor eine offizielle Strasse verlassen hatten. So mussten wir ihm erklaeren, dass der sicherste Weg wohl nicht wie von ihm vorgeschlagen ueber das steile Eisfeld fuehren wuerde und dass er sich besser an mehreren dicken als an duennen Aesten festhalten sollte. Hatte er kurz zuvor noch in die Berge seiner Heimat geblickt und genuesslich gesagt “I feel great”, stoehnte er nun nur noch “Ouh Shit, Ouh Shit” vor sich hin. Wir konnten uns das Lachen natuerlich nicht verkneiffen und es war klar, dass wir uns deshalb entschieden noch etwas weiter den Berg hoch zu wandern um die 4000 Meter Grenze zu knacken. Heil am hoechsten Punkt unserer kleinen Tour angekommen, konnten wir die herrliche Aussicht geniessen und das zuvor gekaufte Lhasa Bier trinken. Ein Erlebnis, das wohl auch der Guide so schnell nicht mehr vergisst. Allerdings hat er uns versichert, dass er fuer zukuenftige Touristen weiterhin den Spazierweg benuetzen wuerde, alles andere sei viel zu gefaehrlich. Dies stimmt wohl, und so muessen wir uns ueber seine Gesundheit keine Gedanken machen.
Am Freitagmittag habe ich Sikkim wieder velassen und bin zunaechst mit dem Jeep und danach per Zug in gut 24 Stunden nach Kalkutta gefahren, wo ich zum zweiten Mal auf Corinne und Dominik getroffen bin. Morgen Samstag gehts dann weiter via Mumbai nach Kuala Lumpur. Meine Zeit in Indien wird damit abgeschlossen sein. Obschon es mir grundsaetzlich sehr gut gefallen hat, bin ich darueber gar nicht so ungluecklich. Ich denke ich muss meine Eindruecke nun zuerst mal etwas verarbeiten, bevor ich dann sicherlich schon bald nach Indien zurueckkehren moechte.